Diese inspirierenden Frauen meistern die Herausforderungen der Reisewelt

Dass Frauen die Welt bereisen, mag nichts Neues sein. Dennoch könnte manch eine(r) überrascht sein zu erfahren, dass fast zwei Drittel aller heutigen Reisenden Frauen sind.

Einen weiteren Beleg für diese beeindruckende Zahl liefert Forbes mit der Angabe, dass Frauen durch die Kombination ihrer Kaufkraft und ihres Einflusses hinter 70 bis 80 % aller Kaufentscheidungen im Reisebereich stehen, unabhängig davon, mit wem sie reisen und wer den Trip bezahlt.

Frauen auf Reisen fungieren also als wahre Türhüterinnen einer Billionen-Dollar-Industrie, die Jahr für Jahr weiterwächst, und haben durch ihre Entscheidungen (und, im weiteren Sinne, auch durch ihre Reisen an sich) erheblichen Einfluss auf die Welt des Reisens.

Doch obwohl Frauen die Zukunft des Reisens gestalten, gibt es immer noch Schwierigkeiten, die die Reiselust vieler Globetrotterinnen auf die Probe stellen. Wir hatten das Vergnügen und die Ehre, mit inspirierenden Frauen zu sprechen, die beschlossen haben, Stereotypen zu ignorieren und der Herausforderung des Reisens mit einer offenen Einstellung zu begegnen.

Hier stellen wir einige Frauen auf Reisen vor, die uns anregen, loszuziehen und unserem Reisefieber freien Lauf zu lassen.

Ja sagen zum Alleinreisen – Annika Ziehen

"Reisen ist eine großartige Art, die Dinge ins rechte Licht zu rücken"

„Reisen ist eine großartige Art, die Dinge ins rechte Licht zu rücken“ Annika Ziehen

Annika Ziehen stammt aus der deutschen Kleinstadt Bad Hersfeld und entwickelte bereits als Kind eine ausgeprägte Neugier auf alles Fremde – der Grundstein für ihre Faszination für andere Kulturen. Lange Aufenthalte in New York und Südafrika fachten das Reisefieber in ihr weiter an. Heute haben ihre Reisen sie bereits in zahlreiche Länder auf dem gesamten Globus geführt und sie zu einer passionierten Verfechterin des Alleinreisens gemacht.

Entdecke die besten Ziele für Alleinreisende

The Midnight Blue Elephant, Annikas Blog, ist das geistige Produkt ihrer Ambition: ein ausführlicher Reiseblog, der schillernde Geschichten von ihren Abenteuern in aller Welt erzählt.

Was sind die größten Schwierigkeiten, mit denen weibliche Soloreisende heute zu kämpfen haben?

„Die Gesellschaft sagt uns immer noch, dass bestimmte Dinge nicht akzeptabel sind. Auf jeden Fall gibt es viele Dinge, die immer noch als äußerst ungewöhnlich für Frauen gelten, und es kann schwierig sein, sich dieser Wahrnehmung entgegenzustellen.

Ich hatte Glück – ich bin sowohl mit einem Pass gesegnet, der mir Zutritt zu den meisten Ländern auf der Welt verschafft, als auch mit den nötigen finanziellen Mitteln und einem aufgeschlossenen Umfeld, das meine Reiseambitionen unterstützt. Ich weiß aber, dass es für andere Frauen alles andere als leicht ist.“

Was die Praxis des Alleinreisens betrifft: Wir Frauen stoßen auf Schwierigkeiten, die sich zum Teil stark von denen Unterscheiden, mit denen Männer zu kämpfen haben. Ganz allgemein verlasse ich mich auf meinen gesunden Menschenverstand: Halte lokale Regeln und Gesetze ein, insbesondere in puncto Kleidung, geh nachts nicht allein irgendwohin und vertrau immer, wirklich immer deinem Bauchgefühl.

In dieser Hinsicht bin ich auch kompromisslos: Ich versuche, nicht unhöflich zu sein, aber wenn ich jemanden beleidige, indem ich mich aus einer Situation zurückziehe, die mir nicht geheuer ist – nehme ich das absolut in Kauf.“

„Allerdings gibt es eine Regel, die ich nicht befolge: [ Sprich nicht mit Fremden ] – ich spreche immer mit Fremden!“

Wie lernt man Einheimische kennen?
Annika hat ein Buch über das Alleinreisen veröffentlicht, in dem sie schildert, inwiefern es das Selbstbewusstsein steigern und ein Gefühl echter Freiheit wecken kann. Die Reaktionen darauf von Frauen aus allen Gesellschaftsschichten und allen Teilen der Welt haben in ihr ein Gefühl der Verbundenheit mit den Bedürfnissen und Sehnsüchten vieler Menschen geweckt, die ihren Weg „ansonsten niemals gekreuzt hätten“.

Annika geht es darum, frei zu reisen und sich nicht den Erwartungen der Gesellschaft zu unterwerfen. Sie hofft, dass ihre Reisen andere Frauen dazu anregen, es ihr gleichzutun, und zu einer allmählichen Veränderung der Reisewelt von heute beitragen werden.

Brücken bauen – Elena Nikolova

Frauen auf Reisen - Elena Nikolova über muslimische Frauen auf Reisen

„Nur durch Reisen lassen sich Hürden überwinden, sodass Menschen erkennen können, wofür Muslime wirklich stehen“ Elena Nikolova

Weltbürgerin Elena Nikolova ist in verschiedenen Ländern aufgewachsen und konnte so ein äußerst vielseitiges Leben führen. Ihre Ansichten der Welt, deren Erkundung sie bis heute nicht müde geworden ist, schildert sie kurz und bündig in ihrem Blog Muslim Travel Girl.

Elena sieht ihre Aufgabe darin, andere Muslime zu überzeugen, selbstbewusst mit ihrer Identität umzugehen und die Welt mit einer offenen Einstellung zu bereisen. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, Brücken zu bauen und andere davon zu überzeugen, es ihr nachzutun.

Kannst du uns ein bisschen über deinen Hintergrund erzählen?

„Ich sehe mich selbst als Weltbürgerin. Ich wurde in Bulgarien geboren, wuchs in Griechenland auf und habe in Großbritannien gelebt. Vor sechs Monaten sind wir nach Katar gezogen. Ich habe bisher in jedem Land zehn Jahre verbracht, und ich freue mit darauf, auch die nächsten zehn damit zu verbringen, die Welt zu erkunden und in verschiedenen Ländern zu leben.

Ich komme aus einem multikulturellen Umfeld und weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr sich die Wahrnehmung verändern kann, wenn man reist und Freunde in verschiedenen Kulturen findet.“

Elena ist überzeugt, „dass Reisende Reisende sind und alle im Grunde dasselbe wollen – neue Leute kennenlernen und gemeinsame Erinnerungen mit geliebten Menschen schaffen.“ Dennoch haben ihre Weltreisen ihr bewusstgemacht, dass es Vorurteile gegen Muslime und das Tragen von Hidschab gibt, und dass dies eine echte Herausforderung darstellen kann.

„Als ich mit meinem vielfältigen Hintergrund im Jahr 2009 Muslimin wurde, musste ich feststellen, dass nicht viele Muslime reisen. Nicht-Muslime und Muslime in aller Welt haben so viele falsche Vorstellungen voneinander. Meine Mission besteht darin, das gegenseitige Verständnis zu stärken, indem ich Muslime dazu anrege, die Welt zu bereisen.

“ Andererseits hat Elena jedoch auch den Eindruck, dass heute „viele junge Musliminnen allein reisen“ – ein großer Schritt, der ihr Zuversicht gibt.

Barrierefreies Reisen für alle – Jay Abdullahi

"Ich bin überzeugt, dass Frauen in allen Bereichen des Lebens eine Stimme haben sollten"

„Ich bin überzeugt, dass Frauen in allen Bereichen des Lebens eine Stimme haben sollten“ Jay Abdullahi

Die begeisterte Londonerin Jay Abdullahi stammt gebürtig aus Nigeria und zog als kleines Kind in die britische Hauptstadt. Jay wuchs mit einer Verkrüppelung infolge von Kinderlähmung auf und hat dennoch jede Gelegenheit ergriffen, die Welt zu erkunden und ihre Erlebnisse auf ihrer Webseite Jay on Life mit anderen zu teilen. Außerdem hat sie viele Texte zu Reisen mit Behinderung verfasst und setzt sich mit Leib und Seele für eine Reiseindustrie ein, die mehr Zugänglichkeit für alle bietet.

Barrierefrei Reisen: Ein Leitfaden
Außerdem unterstützt Jay die Arbeit von gemeinnützigen Einrichtungen wie der britischen Organisation Able Child Africa, die aufgrund ihrer Bemühungen zur Unterstützung von Kindern mit Behinderungen in Afrika einen besonderen Platz in ihrem Herzen einnimmt.

Mehr Infos: Lissabon für Reisende mit Einschränkungen – Jay und momondo unternehmen eine Tour durch die portugiesische Hauptstadt

Was inspiriert dich zum Reisen?

„Überraschenderweise ist es meine Behinderung, die mich zum Reisen inspiriert. Leben und gute Gesundheit werden von den meisten Menschen als selbstverständlich angesehen. Da ich schon seit früher Kindheit mit meiner Behinderung lebe, ergreife ich jede Gelegenheit, die Welt zu erkunden. Du weißt nie, was morgen sein wird; darum solltest du heute und auch sonst immer versuchen, das Beste aus deinem Tag zu machen.“

Laut Jay haben die Herausforderungen des Lebens in einer großen, hektischen und manchmal unsensiblen Stadt, in der sie „meistens sich selbst überlassen ist“, sie dazu gezwungen, ihre Grenzen zu überwinden. „Einfach nach vorn schauen und lernen, unabhängig zu sein“ sind zwei von Jays Methoden, mit dem Leben in London umzugehen – und sie ist froh, diese Fähigkeiten erlernt zu haben.

Mehr Infos: Athen für Reisende im Rollstuhl – momondo erkundet die griechische Hauptstadt mit Jay Abdullahi

Kulturelle Hürden überwinden – Amanda Ponzio-Mouttaki

"Frauen von heute reisen mehr als je zuvor, und unsere Stimme verdient es, gehört zu werden"

„Frauen von heute reisen mehr als je zuvor, und unsere Stimme verdient es, gehört zu werden“ Amanda Ponzio-Mouttaki

Amanda träumt schon vom Reisen, seit sie denken kann, und fachte ihr Fernweh bereits mit vier Jahren an, indem sie sich in ihre Bücher vertiefte. So ist es wenig überraschend, dass das Reisen für sie schnell zur Sucht wurde, als sie erst einmal wirklich damit angefangen hatte. Auch ihre Liebe zu kulinarischen Genüssen fand im Reisen einen reichen Nährboden.

In Michigan geboren, konvertierte sie mit 20 Jahren zum Islam, nachdem sie ihren marokkanischen Ehemann Youssef kennen und lieben gelernt hatte.

Das Paar lebt heute mit seinen zwei Söhnen in Marrakesch und leitet dort die Marrakech Food Tours. Amandas Blog, MarocMama, ist ein weiteres ambitioniertes Projekt, das ihre Eskapaden als Globetrotterin, ihre interkulturellen Begegnungen und ihre Liebe zum Essen souverän in Szene setzt.

Die schönsten Seiten Marrakesch’s

Amanda hat das Gefühl, dass „Frauen häufig als Ehefrau oder Mutter dargestellt werden, die die Nachhut hinter ihrem Mann oder ihren Kindern bilden. Aber in Wirklichkeit ist ihre Rolle in der Reisewelt viel bedeutender.“

Welches sind die größten Schwierigkeiten, mit denen du auf deinen Weltreisen konfrontiert wirst?

„Die größte Schwierigkeit besteht für mich oft darin, wie Leute mich sehen. Ich bin eine muslimische Frau, die reist und außerdem einen US-amerikanischen Pass (und Akzent) hat. Das bringt viele Leute durcheinander. Manchmal ist es hilfreich, Muslimin zu sein, aber manchmal kann es mir auch wirklich die Reise verderben.

Ich versuche, jeder Situation mit größtmöglichem Optimismus entgegenzutreten, aber die Wahrheit ist, dass mich die Menschen häufig beurteilen, sobald sie mich sehen. Und wenn dieses Urteil negativ ausfällt, kann das wirklich ein schwerer Schlag sein.“

Kulturelle Begegnungen begrüßen – Chelle und Crystal Roberts

"Wir sind fest davon überzeugt, dass es beim Reisen darum geht, deine Komfortzone zu verlassen"

„Wir sind fest davon überzeugt, dass es beim Reisen darum geht, deine Komfortzone zu verlassen“ Chelle und Crystal Roberts

Die Schwestern Chelle und Crystal Roberts stammen aus Jersey und unternahmen in ihrer Kindheit und Jugend zahlreiche Reisen mit ihren mittlerweile verstorbenen Eltern; ihr Vater machte es sich zur Gewohnheit, seine Flugmeilen und Hotelpunkte für Reiseabenteuer mit der ganzen Familie zu nutzen.

Angeregt durch diese Zeit des Weltenbummels, setzten Chelle und Crystal ihre Expeditionen fort, bewaffnet mit einer unstillbaren Neugierde auf alles Neue; in ihrem Blog, BrownGirlsFly, berichten sie ausführlich von ihren Reisen.

Sowohl Chelle als auch Crystal empfinden die Entdeckung von neuen Kulturen und kulinarischen Bräuchen als äußerst bereichernd, wenn auch nicht immer unproblematisch. Im Laufe ihrer Reisen bekamen sie es bisweilen mit offenem Rassismus und unangenehmen kulturellen Begegnungen zu tun.

Sie sind jedoch der Ansicht, dass solche Erfahrungen sie letztendlich sowohl in ihrem Mitgefühl als auch in ihrer Neugier bestärkt haben – ganz nach dem Motto „Hürden überwinden, Perspektiven erweitern und tieferes Verständnis gewinnen.“

Unterstützt ihr bestimmte wohltätige Zwecke?

„Wir glauben fest daran, dass es beim Reisen darum geht, deine Komfortzone zu verlassen, mehr über dich selbst zu erfahren und dadurch ein besserer Mensch zu werden. Als farbige Frauen haben wir uns oft gefragt, warum uns auf Reisen nicht mehr Menschen wie wir begegnen.“

„Darum sind wir als Mentoren für das Passport Party Project tätig, das unterrepräsentierten US-amerikanischen Jugendlichen ihre ersten Reisepässe zur Verfügung stellt. Außerdem setzen wir uns für Organisationen wie das Global Girl Project (ein Austauschprogramm für junge Frauen aus Entwicklungsländern) und Wanderful (eine Gemeinschaft mit Home-Sharing-Netzwerk für weibliche Reisende) ein.“

Du suchst nach mehr Inspiration und mutige Frauen auf Reisen?