12 Fakten über den Iran, die du garantiert noch nicht kanntest

Angesichts des vor kurzem abgeschlossenen, historischen Atompakts scheinen Reisen in den Iran zunehmend verlockend.

Auch wenn viele es nicht ahnen: Der Iran hat Besuchern jede Menge zu bieten. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir einige außergewöhnliche Fakten über die zweitgrößte Nation im Nahen Osten zusammengetragen, von denen du vermutlich noch nie etwas gehört hast.

1. Persische Höflichkeit ist eine Kunst für sich

Wenn du dir irgendwo im Iran ein Taxi nimmst, ist es recht wahrscheinlich, dass sich der Fahrer weigert dein Geld zu nehmen, wenn du ihn bezahlen möchtest. Wenn du in einen Laden gehst, um etwas zu kaufen, passiert dir vermutlich das Gleiche. Verwirrend, oder?

Was Europäern auf den ersten Blick ein wenig befremdlich erscheint, nennt sich „Taarof“ und ist sozusagen das kulturelle Markenzeichen des Irans. Du bekommst nicht tatsächlich etwas umsonst, es handelt sich vielmehr um eine Höflichkeitsform und es wird erwartet, dass du bei dem Spielchen mitmachst. Im Prinzip geht es darum, deinen Willen zu verleugnen, um es dem anderen recht zu machen. Und das gilt für so ziemlich jede soziale Situation.

Nehmen wir zum Beispiel einmal an, du wirst zum Abendessen eingeladen. Die höfliche Reaktion darauf ist dankend abzusagen, woraufhin der Gastgeber auf die Einladung besteht, nur damit du erneut ablehnen kannst. Die Situation kann sich zugegebenermaßen ein wenig peinlich anfühlen. Mach dir deswegen aber keinen Kopf – aller guten Dinge sind in der Regel drei und im Endeffekt ist das Wichtigste, sich auf etwas zu einigen.

2. Achte auf deine Manieren

Eine typisch iranische Mahlzeit zu Hause.© sunriseOdyssey

Eine typisch iranische Mahlzeit zu Hause. © sunriseOdyssey

Falls dich eine iranische Familie zum Abendessen zu sich nach Hause einlädt, steht dir etwas ganz Besonderes bevor, denn genau dort findest du das beste Essen des Landes.

Hier sind einige Tipps zu iranischen Tischmanieren, damit du den perfekten Gast abgibst: Zum einen solltest du keinen Tisch erwarten. Perser essen in der Regel auf dem Boden sitzend, manchmal sogar ohne Besteck. Egal ob Besteck vorhanden ist oder nicht, iss in jedem Fall ausschließlich mit deiner rechten Hand.

Nimm sämtliche Getränke oder Speisen an, die dir angeboten werden (nachdem du sie ein- oder zweimal abgelehnt hast), und denke daran, dass es höflich ist, von allem zumindest ein wenig zu probieren.

Und ja, du wirst am Ende der Mahlzeit proppenvoll sein. Iraner setzen ihren Gästen Essen im Überfluss vor und betrachten es ihre Pflicht als Gastgeber, dir mehr zu servieren, als du essen kannst. Am besten du lässt ein wenig auf dem Teller, wenn du satt bist, denn damit demonstrierst du, dass du genug hattest.

3. Die Macht der Gewohnheit

Obwohl die offizielle Währung im Iran der Rial ist, wird dir schnell auffallen, dass du dazu aufgefordert wirst, in Toman zu bezahlen, sobald du deinen Geldbeutel zückst.

Keine Panik – du musst nicht gleich in die nächste Wechselstube laufen.

Der Toman ist die ehemalige Währung des Irans und wurde 1932 mit einem Wechselkurs von 1 zu 10 durch den Rial ersetzt. Wenn dir also jemand einen Preis in Toman nennt, brauchst du den nur mit zehn zu multiplizieren, und schon kannst du mit deinen Rial-Scheinen bezahlen.

4. Iraner sind verrückt nach Nasenkorrekturen

© Polfoto / Panos

Stolz auf Schönheitschirurgie. © Polfoto / Panos

Ob du es glaubst oder nicht – der Iran hat die höchste Zahl an Nasenkorrekturen pro Einwohner auf der ganzen Welt.

Der Wunsch nach einer perfekten Nase hat mit Sicherheit einiges mit der Verhüllung durch den Hidschāb zu tun, wodurch das Gesicht stärker hervorgehoben wird. Doch es geht um mehr als nur körperliche Schönheit. Für persische Frauen (und auch für manche Männer) ist die Nasenkorrektur ein Symbol für Wohlstand und sozialen Status.

Die Operation ist sogar dermaßen angesehen, dass viele Patientinnen ihren Verband noch tragen, wenn die Wunde längst ausgeheilt ist, um damit zur Schau zu stellen, dass sie den Eingriff haben vornehmen lassen. Manche tragen sogar falsche Verbände!

5. Im Herzen jung geblieben

Mit einer Geschichte, die mehrere zehntausend Jahre zurückreicht, hat der Iran eine der ältesten, kontinuierlichen Zivilisationen der Welt. Die momentane Bevölkerung ist jedoch alles andere als alt: Etwa 60 % der Iraner sind unter 30!

6. Über Stock und über Stein

© Polfoto / Panos

Frauen sind auf dem Sprung! © Polfoto / Panos

Was machen all die jungen Leute denn in ihrer Freizeit?

Hast du gewusst, dass Parcours – Hindernisläufe durch die Straßen, Gassen und Parks einer Stadt – zu einem wahrhaften Trendsport geworden sind, seit 2002 das erste Training stattfand?

Junge Männer üben in kleinen Sporthallen und in öffentlichen Parks und stellen ihre Fähigkeiten auf der Straße zur Schau. Zwar müssen junge Frauen, die dieser Aktivität frönen, etwas diskreter sein, aber nichtsdestotrotz sind unter den Sportlern viele Mädchen in moderner und bequemer Hidschāb-Sportkleidung zu finden.

7. Mehr als nur Sanddünen

Das Elbursgebirge außerhalb von Teheran.© ninara

Das Elbursgebirge außerhalb von Teheran. © ninara

Wenn du glaubst, der Iran bestehe ausschließlich aus kargen Wüstenebenen, liegst du falsch. Das Land hat nicht nur jede Menge Berge (und circa ein halbes Dutzend Vulkane), sondern sogar einige Skigebiete. Pack deine Wintersachen ein und fahr zu den hohen Gipfeln des Elbursgebirges, nur einige Stunden von Teheran entfernt, und flitze dort die Hänge hinunter!

Die zwei Hauptskigebiete sind Dizin und Schemschak. Dizin ist das größte Skigebiet und liegt auf 2.650 Metern – höher als das höchste Ressort in Europa! Schemschak ist ein wenig tiefer gelegen, dafür sind die Hänge dort steiler und schwieriger – ideal für Snowboarder und erfahrene Skiläufer.

Die iranischen Skiressorts sind vielleicht nicht ganz so groß und nobel ausgestattet wie ihre europäischen Konkurrenten, aber dafür sind sie garantiert auch nicht so überfüllt!

8. Geparden lieben diesen Ort

Geparden machen es sich bequem.© spookypeanut

Geparden machen es sich bequem. © spookypeanut

Aber natürlich gibt es jede Menge Sand. Und nicht nur das: Die weite Wüste des Irans ist der einzige Ort, an dem der asiatische Gepard noch in freier Wildbahn lebt.

Ein wenig kleiner als sein afrikanischer Verwandter, handelt es sich beim asiatischen Geparden um eine gefährdete Spezies. Schätzungen zufolge streifen heutzutage nur noch etwa 50 Exemplare durch die Wildnis.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass diese Zahl in der jüngsten Vergangenheit langsam wieder angestiegen ist.

9. Gewürze mit Gold aufwiegen

Gewürze auf dem Markt.

Gewürze auf dem Markt.

Der Iran ist einer der größten Exporteure von Kaviar, dem teuersten Lebensmittel der Welt.

Und nicht nur das – die seltenste und teuerste Kaviarart kommt ebenfalls aus dem Iran: Almas-Kaviar, gewonnen aus den Eiern von 60 bis 100 Jahre alten Beluga-Stören, wird für rund 27.000 Euro pro Kilo verkauft!

Und als ob das noch nicht genug wäre, produziert der Iran seit mehr als 3.000 Jahren Safran, und stellt heutzutage 90% des exklusiven Gewürzes her, das mit 55 Euro pro Gramm mehr kostet als so manches Edelmetall – sogar mehr als Gold.

Du kannst eine Tour durch eine der Farmen buchen und beobachten, wie tausende der violetten Safranblüten gepflückt werden (die beste Zeit für einen solchen Besuch ist Ende Oktober bis Ende November). Falls du es nicht zu einer Farm schaffst, kannst du in einem der Tavazo-Läden in Teheran ein wenig des „roten Goldes“ kaufen.

10. Die ältesten funktionierenden Windmühlen der Welt

Die ersten praktischen Windmühlen, die verwendet wurden, um Korn zu mahlen oder Wasser zu schöpfen, wurden 500-900 n. Chr. im Osten Persiens erfunden.

In Nashtifan, einer windigen Stadt nahe der Grenze zu Afghanistan, wurden die horizontalen aus Lehm, Stroh und Holz erbauten Windmühlen Jahrhunderte lang genutzt. Einige von ihnen sind sogar heute noch in Betrieb!

11. Erfinder des Postdienstes

Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass Briefe schon genauso lange existieren wie es Schriftsysteme gibt. Das erste echte Postsystem wurde allerdings erst 550 v. Chr. im antiken Persien unter der Herrschaft von Kyros dem Großen erfunden.

Der persische Herrscher befahl, dass jede Provinz in seinem Königreich die Auslieferung und den Empfang der Post seiner Bürger organisieren sollte, ließ eigens Straßen quer durch das ganze Land erbauen und überzeugte sogar benachbarte Nationen, es ihm gleichzutun.

12. Perserteppiche sind (un)vollkommen

Moderne Teppichweberin.© ninara

Moderne Teppichweberin. © ninara

Ein altes persisches Sprichwort besagt, „Ein Perserteppich ist vollkommen unvollkommen und genau ungenau“.

Was das bedeuten soll? Eigentlich ganz einfach: Ein edler Perserteppich hat in der Regel stets einige beabsichtigte Mängel, um daran zu erinnern, dass nur Gott wahre Perfektion erschaffen kann.

Vom religiösen Hintergrund einmal abgesehen, reicht die Geschichte des Perserteppichs mehr als 2.000 Jahre zurück. Die traditionelle Kunst des Teppichwebens wird in bestimmten Regionen des Landes – zum Beispiel in der reizvollen Stadt Kaschan in der Provinz Isfahan – seit Ewigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben und wurde vor kurzem von der UNESCO auf die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt.