Experten-Tipps für Wanderneulinge

Das wanderbegeisterte Reisefotografen/Autoren-Duo Emily und Andrew verrät grundlegende Tipps von der Planung bis zur Umsetzung, um deine erste Wanderung unvergesslich zu machen

Wandern auf dem Quilotoa Loop in Ecuador

Wandern auf dem Quilotoa Loop in Ecuador © Along Dusty Roads

Kategorie Allgemein

Datum 03/10/2016

Von überquellenden Großstädten bis hin zu kleinen Küstenorten wartet dort draußen eine ganze Welt darauf, zu Fuß von dir erkundet zu werden. Natürlich führen dich auch gepflasterte Straßen zu neuen Erlebnissen, aber einige der magischsten Fleckchen dieses Planeten können mit Taxi, Zug oder Reisebus einfach nicht erreicht werden.

Der perfekte Sonnenaufgang, die heiligsten Stätten und die ältesten Ruinen liegen häufig am Ende eines Bergpasses oder eines gewundenen Trampelpfades und lassen sich nur von entschlossenen und ambitionierten Reisenden erobern.

Indem du deine Reisen um Wanderungen bereicherst, eröffnest du dir selbst völlig neue Möglichkeiten, versteckte Juwelen zu entdecken. Aber egal, ob du dich für eine mehrtägige Trekkingtour durch die peruanischen Anden oder einen Tagesausflug in einem der Nationalparks von Utah entscheidest – es gibt ein paar Grundlagen, mit denen du vertraut sein solltest.

Wir haben mit Andrew und Emily zusammengearbeitet – ihres Zeichens erfahrene Abenteurer und Autoren des Blogs Along Dusty Roads –, um dich optimal auf die erste deiner vielen Wanderungen vorzubereiten.

Plane deine Route

Wanderungen führen dich zu verborgenen Juwelen wie der Laguna Verde in Kolumbien
Wanderungen führen dich zu verborgenen Juwelen wie der Laguna Verde in Kolumbien © Along Dusty Roads

Als Wanderneuling werden dich deine ersten Abstecher in die Wildnis vermutlich nicht gleich zum Everest-Basislager führen. Das heißt aber keinesfalls, dass du deine Route nicht sorgfältig planen solltest. Um auf dem richtigen Weg zu bleiben, deinen Zeitplan einzuhalten und keine Suchtrupps auf den Plan zu rufen, ist es wichtig zu wissen, wie und wann du an einem bestimmten Ort ankommen wirst, das Gelände auf deinem Weg zu kennen und eine Vorstellung von wichtigen „Meilensteinen“ zu haben.

Auch wenn die meisten beliebten Wanderwege mit Wegmarkierungen versehen sind, die dir die Richtung weisen, solltest du wissen, wie lang die Strecke von A nach B in etwa dauern wird. So kannst du unerwünschte Kursabweichungen rechtzeitig bemerken. Angemessene Recherchen und Vorbereitungen sind das A und O vor jeder Wanderung.

Kenne deine Grenzen

Wenn du nicht so fit bist, wie du gern wärst, sind Wanderungen auf dem Land und leichte Anstiege eine perfekte Möglichkeit, wieder in Form zu kommen. Aber denk dran: Wenn deine Mitgliedskarte für das Fitnesscenter bereits Staub angesetzt hat und dich schon die paar Treppenstufen zum Büro aus der Puste bringen, solltest du deine Wanderkarriere nicht gleich mit dem Inka-Pfad beginnen.

Schätz deine körperliche Verfassung realistisch ein und versuch nicht, eine Strecke zu meistern, die nur für Wanderer mit viel Erfahrung oder hohem Fitnessniveau empfohlen wird.

Bereite dich schon zu Hause vor, um deinen Wanderausflug in vollen Zügen genießen zu können – mit unkomplizierten Wanderungen ohne große Anstiege und häufigen Pausen bei längeren Etappen. Eine gute Wanderung sollte dich schon etwas ins Schwitzen bringen, aber nicht allzu sehr: Wenn du die halbe Zeit japsend in die Knie gehen musst, wird dir das mit Sicherheit die Freude an der Aussicht verderben.

Sei nett zu deinen Füßen

Achte auf die richtige Passform, um deine Füße auf Wanderschaft bei Laune zu halten
Achte auf die richtige Passform, um deine Füße auf Wanderschaft bei Laune zu halten © Along Dusty Roads

Es ist mit Sicherheit nicht nötig, sich von Kopf bis Fuß in die angesagteste Hiking-Garderobe zu werfen, aber es gibt ein paar Kleidungsstücke, die Anfängern das Wandern erleichtern und versüßen. Am allerwichtigsten ist ein gutes Paar Schuhe.

Ob du dich für Wanderschuhe oder -stiefel entscheidest, ist ganz dir überlassen (und die richtige Wahl wird in der Wanderszene hitzig diskutiert), aber es gibt einige Dinge, die du beim Einkauf beachten solltest – Fragen wie „Passen sie auch wirklich?“ sollten definitiv bereits im Geschäft geklärt werden, und nicht mitten auf einer sechsstündigen Wanderung!

Wenn du in Sachen Passform auf Nummer sicher gehen willst, solltest du deine Schuhe in einem Outdoor-/Wandergeschäft kaufen, nicht online. Die Verkäufer sind bestens geschult und können anhand deiner Gangart einschätzen, wie gut der Schuh oder Stiefel zu deinem Fuß passt, was wiederum für eine angenehme erste Wanderung entscheidend ist. Weitere Dinge, die du beachten solltest, sind die Bodenhaftung und die Wasserdichtigkeit – beide sind bei schlechtem Wetter und rutschigem Boden außerordentlich wichtig. Eine gute Anlaufstelle sind die zahlreichen Intersport Stores, wo dir die Experten dir bei der Auswahl beratend zur Seite stehen können.

Schichte deine Kleidung

Die Vorteile des Zwiebelschalenprinzips lernst du am besten so früh wie möglich. Nur in den seltensten Fällen bleibt das Wetter bzw. die Temperatur auf einer Wanderung gleich, und die kühle Luft beim Aufbruch kann durchaus einem klaren blauen Himmel und einem sonnigen Tag weichen. Indem du mehrere dünne Schichten anlegst, kannst du dich deiner Kleidung peu à peu entledigen, wenn sich das Wetter – und deine Körpertemperatur – ändert.

Wenn du das Klima am Tag der Wanderung nicht einschätzen kannst, trag lieber zu viel als zu wenig und pack zudem eine leichte wasserfeste Jacke ein; überflüssige Kleidung kannst du jederzeit ablegen – aber zusätzliche wirst du mitten im Wald schwerlich finden.

Finde den richtigen Rucksack

Wenn du an Bergsteiger und erfahrene Wanderer denkst, kommen dir vielleicht große Rucksäcke, Wanderstöcke und Camping-Ausrüstung in den Sinn. Wenn du aber gerade erst anfängst, sollte deine Last deutlich geringer sein.

Als erstes musst du einen passenden Rucksack finden. Dein alter Rucksack aus Schultagen reicht vielleicht für einen Spaziergang um den Block oder eine kurze Wanderung aus – aber alles, was mehrere Stunden oder gar Tage auf deinem Rücken bleibt, sollte dir unter keinen Umständen Unbehagen bereiten. Hüft- und Brustgurte können hier Wunder wirken, und dasselbe gilt für robuste, gepolsterte Schultergurte und einen Rucksack, der fest und sicher an deinem Rücken anliegt. Genau wie bei Schuhen ist hier eine Anprobe sehr wichtig, da unsere Körper sich unterscheiden und die Passformen sehr verschieden sein können. Bei Sports Direct könnt ihr zwischen den unterschiedlichsten Modellen auswählen.

Achte auf ausreichende Flüssigkeits- und Energiezufuhr

Häufige Pausen und gesunde Snacks geben dir die Energie, die du brauchst, um durchzuhalten
Häufige Pausen und gesunde Snacks geben dir die Energie, die du brauchst, um durchzuhalten © Along Dusty Roads

Wir alle wissen, dass der Körper an einem normalen Tag mindestens zwei Liter Wasser braucht. Eine Bergwanderung ist aber alles andere als alltäglich – dein Körper wird förmlich nach einem Energieschub und zusätzlicher Flüssigkeitszufuhr lechzen.

Regelmäßige Wanderer sollten definitiv darüber nachdenken, in eine wiederverwendbare Kunststoff- oder Metallflasche zu investieren. Sie sind deutlich umweltfreundlicher, oft mit einer Möglichkeit zur Anbringung an deinem Rucksack versehen und müssen nur einmal gekauft werden. Nicht auf allen Wanderungen gibt es die Gelegenheit, den Wasservorrat aufzufüllen, darum ist es außerordentlich wichtig, Raum und Kapazität für die erforderliche Menge Flüssigkeit zu schaffen.

Was Essen angeht, kannst du ganz nach Lust und Laune entscheiden (jedenfalls bis deine Lunchbox voll ist). Du solltest sowohl kleine Snacks für einen schnellen Energieschub beim Wandern als auch ein Mittagessen einpacken, das durch langsame Energiefreisetzung lange vorhält. Nüsse, Energieriegel, Schokolade und Obst sind optimale Snacks für unterwegs und passen außerdem selbst in kleine Taschen in deiner Jacke oder deinem Rucksack.

Als Mittagessen eignen sich zum Beispiel eine Schüssel Pasta oder proteinreiche Sandwiches.

Denk aber daran, deinen Abfall mitzunehmen – andere Wanderer (und Mutter Natur) werden es dir danken!

Mehr Infos: Die besten Reise-Gadgets, die du unbedingt haben musst

Geh auf Nummer sicher

Achte auf deine Umgebung und auf das Wetter
Achte auf deine Umgebung und auf das Wetter © Along Dusty Roads

Man hat das Gefühl, dass kaum ein Monat ohne eine Meldung über einen bedauerlichen Wanderunfall vergeht. Wenn du also nicht über den Navigationssinn eines Marinekapitäns oder die Überlebenstricks eines gestandenen Pfadfinders verfügst, solltest du vor deinem Aufbruch ein paar einfache Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Zunächst einmal solltest du – was sich eigentlich von selbst versteht – als Anfänger niemals allein wandern. Zweitens solltest du so wenig Wertgegenstände wie möglich mitführen: Überfälle und Diebstähle auf Wanderrouten sind zwar selten, aber nicht ausgeschlossen. Wenn du dir nicht sicher bist, solltest du dich vor deinem Trip bei Einheimischen oder beim zuständigen Tourismusverband erkundigen.

Außerdem solltest du die Wettervorhersage im Auge behalten. Eine Schneewanderung unter einem makellos blauen Himmel mag eine wundervolle Art sein, einen neuen Ort kennenzulernen; wenn aber Wolken aufziehen und du in einen Sturm gerätst, kann sich dies schlagartig ändern. Zögere in solchen Situationen nicht, umzukehren – das Wetter kann sich rapide verschlechtern, und wenn das passiert, möchtest du definitiv nicht mitten in der Wildnis sein. Zuletzt solltest du in deinem Rucksack noch etwas Platz für einen kleinen Verbandkasten schaffen.

Du musst keine vollständige mobile Erste-Hilfe-Abteilung mitnehmen, sollest aber alles Nötige haben, um einen verstauchten Knöchel ruhigzustellen oder Schnitt- und Schürfwunden zu verbinden.

Hab Spaß

Um es mit den Worten des wanderbegeisterten Jack Kerouac zu sagen: „Am Ende wirst du dich nicht an die Büroarbeit und das Rasenmähen erinnern. Also steig auf diesen verdammten Berg.“ Denk einfach daran, deine Wanderung sorgfältig zu planen – mit der richtigen Geisteshaltung und Vorbereitung wirst du dennoch ausreichend Raum haben, um spontan zu sein und dich von deiner Neugier leiten zu lassen.

Andrew und Emily schreiben auf ihrem Blog Along Dusty Roads über faszinierende unabhängige Reisen und Abenteuer. Schau außerdem auf unserer Inspirations-Seite vorbei, um die schönsten Radwege der Welt zu entdecken.

Ursprünglich veröffentlicht

03/10/2016